Singen ist gut für die Seele. Daran lässt der Heider Frauenchor keinen Zweifel. Schließlich ist mehr als die Hälfte der Mitglieder über 80 Jahre alt, viele von ihnen sind schon seit Jahrzehnten dabei. Die Freude an der Musik und nicht zuletzt die Geselligkeit sowie die sozialen Kontakte sind pure Motivation, auch im hohen Alter noch bei der Stange zu bleiben. Im nächsten Jahr steht das 60-jährige Jubiläum des Frauenchors vor der Tür. „Falls alles gut geht, denn wir suchen dringend Nachwuchs“, sagt Magrit Feddrau, die 2019 als 1. Vorsitzende in die großen Fußstapfen von Elisabeth Steinschulte trat.
Aktuell treffen sich 16 Sängerinnen wöchentlich am Dienstagnachmittag zwischen 17:45 und 19:30 Uhr zur Chorprobe im Heider Bürgerhaus. Das jüngste Mitglied ist 57 Jahre alt. Bei Chorleiterin Annegret Frick, Klavierlehrerin an der Dithmarscher Musikschule, fühlen sich die Frauen aus Heide und Umgebung in guten Händen. Gesungen wird dreistimmig – und zwar alles vom Volkslied und der Oper über plattdeutsche und geistliche Lieder bis hin zu Popmusik und modernem Schlager. „Notenkenntnisse sind für mögliche Neulinge nicht erforderlich“, betont Magrit Feddrau. „Vielleicht hat ja die eine oder andere Frau Lust, einfach mal zu einer Chorprobe zu kommen und künftig einen festen Termin in der Woche mit anderen netten Damen zu verbringen.“
Angefangen hatte alles im Oktober 1967 mit einem erfolgreichen Aufruf des Heider Männerchores in der Dithmarscher Landeszeitung: „Sangesfreudige Mädchen und Frauen gesucht!“ Viele Jahre wurde zwar unter dem gleichen Chorleiter, aber getrennt geprobt. Irgendwann wurden die Proben zusammengelegt. Man traf sich im kleinen Saal im Tivoli. Dort gab es damals im Winter nur eine Wärmequelle, einen Ofen, um den sich alle scharten. „Im Tivoli feierten wir damals auch das große Dithmarscher Sängerfest und den jährlichen Ball unseres Chores“, erinnert sich Heidi Stiemer. „Dann warfen sich alle immer ordentlich in Schale.“ Bereits seit 1999 wird wieder getrennt von den Männern geprobt. Doch eines haben die beiden Heider Chöre gemeinsam: neben dem gemischten Chor Wöhrden sind sie die beiden einzigen Mitglieder des Dithmarscher Sängerbundes. Das Markenzeichen des Heider Frauenchores bei Auftritten ist ein schwarzes Outfit mit türkisem Schal. So wie kürzlich bei der Teilnahme am Bundessängerfest in Wrohm.
„In früheren Jahren hat unser Frauenchor das kulturelle Leben der Stadt natürlich noch stärker mitgeprägt“, erzählt Heidi Stiemer, die bereits seit 48 Jahren das Amt der Kassenwartin bekleidet. So wie in Dithmarscher Tracht beim Heider Marktfrieden, beim Heider Stadtjubiläum, der Einweihung des Bürgerhauses, bei privaten Familienfeiern oder zu Besuch in einem Altenpflegeheim. „Wir sind wie eine große Familie“, so Heidi Stiemer. „Wenn auch die Mitgliederzahl zu wünschen übriglässt, die Freude am Singen ist ungebrochen groß.“ Mithilfe der Klavierbegleitung durch die Musiklehrerin Annegret Frick sei es einfacher, in ein Lied reinzukommen. Daher müssten Neulinge keine Scheu haben.
Die Anzahl der Sängerinnen war mit 50 Frauen im Jahr 1992 am höchsten. Viele sind mittlerweile verstorben. Zum Jubiläum im kommenden Jahr möchte der Heider Frauenchor die Mitgliederzahl gerne wieder ansteigen lassen, damit der 60. Jahrestag gebührend gefeiert werden kann.
Text: Andrea Hanssen Foto: Heider Frauenchor


