Heides vielfältige Stadtgeschichte und Heider Persönlichkeiten werden in der Museumsinsel Lüttenheid präsentiert. In den fünf Gebäuden mitten im einstigen Handwerkerviertel dreht sich alles um die Stadtgeschichte, regionales Handwerk, das Geburtshaus des Dichters Klaus Groth, Gemälde von Nicolaus Bachmann und die Erfinder des modernen Comics Rudolph und Gus Dirks.
Jetzt geht die Museumsinsel Lüttenheid mit der Einführung eines kostenfreien Audioguides einen weiteren großen Schritt in Richtung Digitalisierung. Dieser ermöglicht den Besuchern, tiefere Informationen zu einem Thema abzurufen und die Ausstellung auf interaktive Art zu erleben. „Als Grundvoraussetzung haben wir zunächst unser ganzes Areal mit WLAN ausgestattet“, erzählt Museumsleiterin Dr. Melanie Greinert. „Unsere Gäste können daher über ihr Smartphone einfach die QR-Codes an diversen Stationen in der Ausstellung scannen und mehr erfahren. Ein App-Download ist nicht erforderlich.“
Der Audioguide informiert die Besucher in den verschiedenen Gebäuden ausführlich über ausgesuchte Themen – wie etwa im Klaus-Groth-Haus über: Quickborn, Die Niederdeutsche Sprache, Mundarten und Mundartige Dichtungen, Alkoven und das Leben auf Lüttenheid im 18. und 19. Jahrhundert. „Jeder ausgewählte Text wird den Nutzern des Audioguides vorgelesen“, so die Museumsleiterin. „Die Dauer beträgt jeweils rund drei Minuten.“

Das Voranbringen der Digitalisierung der Museumsinsel Lüttenheid stand für Dr. Greinert bereits weit oben auf der To-do-Liste, als sie vor rund zwei Jahren die Leitung übernahm. „Wir sind ein relativ kleines Haus, aber gewisse Standardvoraussetzungen für ein Museum können und wollen wir durchaus leisten“, sagt sie. „Von dem Angebot profitieren auch englischsprachige Touristen und Menschen mit einer Leseschwäche.“ Der digitale Guide solle die angebotenen Führungen ergänzen, nicht ersetzen. Damit beispielsweise auch ältere Leute, die nicht im Besitz eines Smartphones sind, sich weiterhin auf der Museumsinsel willkommen fühlen. Umgesetzt wurde das neueste Projekt durch eine Kooperation mit dem Historischen Seminar der Kieler Christian-Albrecht-Universität, wo Dr. Greinert mehrere Jahre tätig war.
Hier wurde im vergangenen Wintersemester ein Seminar mit dem Titel „Die Museumsinsel Lüttenheid goes digital“ angeboten, an dem 14 Studierende teilnahmen. Ihre Aufgabe war es mit großem Praxisbezug in Form des sogenannten „Forschenden Lernens“, jeweils zwei Texte für den digitalen Museumsführer zu liefern.
Die Auswahl der Objekte blieb den Studierenden selbst überlassen. „Eine Studentin richtete ihr Augenmerk auf ein Foto vom Wehrsporttag in Heide im Jahr 1932“, berichtet Dr. Greinert. „Dies gab den Impuls, unsere Ausstellung um eine bislang nicht vorhandene Vitrine zum Thema Nationalsozialismus im Erdgeschoss der früheren Schmiede aufzustellen.“
Viele Besucher haben den Audioguides seit seiner Einführung bereits genutzt. Die Museumsleitung will gemeinsam mit ihrem Team den digitalen Weg weiter beschreiten. „Das ist ein immerwährender Prozess“, sagt sie. „Für das kommende Jahr planen wir die Einführung eines innovativen Konferenzsystems, durch das Referenten digital hinzugeschaltet und auch hybride Veranstaltungen angeboten werden können.“
Beitrag und Fotos von Andrea Hanssen