Wenn in den ersten Dezembertagen vor dem Edeka-Markt in Heide wieder die bunten Sammelwagen der Wirtschaftsjunioren stehen und Menschen mit vollen Einkaufstaschen vorbeigehen, dann ist es wieder soweit: Die „Kauf-1-Mehr-Aktion“ (K1M) hat begonnen – eine Initiative, die längst über Dithmarschen hinaus Strahlkraft entwickelt hat. Was 2018 als lokale Idee begann, ist heute im gesamten Hanseraum anerkanntes Beispiel für soziales Engagement mit Mehrwert.
Die Idee ist so simpel wie wirkungsvoll: Kundinnen und Kunden kaufen bei ihrem regulären Einkauf ein oder mehrere zusätzliche Produkte – Haltbares wie Nudeln, Konserven, Mehl oder Hygieneartikel – und legen diese nach dem Bezahlen direkt in den Sammelwagen der Wirtschaftsjunioren. Am Ende des Tages werden die gesammelten Lebensmittel und Alltagsartikel an gemeinnützige Einrichtungen weitergegeben. In Dithmarschen etwa profitiert von der Aktion seit vielen Jahren die Heider Tafel beziehungsweise Einrichtungen wie die Tafel Heide und die AWO.
Was auf den ersten Blick nach einer einmaligen Spendenaktion aussieht, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Tradition entwickelt. Die Wirtschaftsjunioren Dithmarschen hatten die Initiative 2018 ins Leben gerufen und sie im Rahmen einer Delegiertenversammlung als „Best-Practice-Beispiel“ vorgestellt. Ziel war es, mehr Menschen für das lokale Engagement zu gewinnen und die Idee in anderen Kreisen umzusetzen. Heute beteiligen sich über 25 Juniorenkreise im Hanseraum, die jedes Jahr in ihrer Region ebenfalls Aktionen unter dem Motto „Kauf-1-Mehr“ durchführen.
In Dithmarschen selbst ist die Aktion längst mehr als eine lokale Anekdote. Viele Heiderinnen und Heider wissen genau, was im Dezember vor dem Edeka-Markt passiert. Für viele ist der Besuch des Supermarkts – an diesem einen Tag im Advent – nicht nur ein Einkauf, sondern ein bewusstes Statement für Solidarität und Gemeinschaft. Dass die Resonanz so groß ist, zeigt der Blick auf die Zahlen: In diesem Jahr wurden in Heide insgesamt 76 prall gefüllte Kisten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln gesammelt – ein neuer Rekord. Diese Kisten wurden noch am selben Tag an die bedürftigen Menschen übergeben, die auf die Angebote der Tafel angewiesen sind.
Doch der Erfolg der Aktion ist nicht allein in der Menge der gesammelten Waren zu messen. Was sie besonders macht, ist die Art und Weise, wie sie Menschen zusammenbringt. Vom ehrenamtlichen Einsatz der Junioren über die Unterstützung durch den lokalen Handel – wie den Supermarkt Edeka Frauen in Heide – bis hin zu den treuen Spenderinnen und Spendern vor Ort: Gemeinsam wird an einem Tag im Jahr sichtbar, wie einfach soziales Engagement sein kann.
Gerade in einer Zeit, in der der gesellschaftliche Zusammenhalt in vielen Regionen auf dem Prüfstand steht, sendet die „Kauf-1-Mehr-Aktion“ ein klares Signal: Hilfe und Nachbarschaftshilfe sind keine abstrakten Werte, sondern fassbare Realität. Sie zeigt, dass selbst kleine Gesten – ein zusätzlich gekauftes Paket Mehl, ein Beutel Nudeln oder ein Hygieneartikel – in der Summe eine große Wirkung entfalten können.
Die Wirtschaftsjunioren Dithmarschen sprechen nicht umsonst von einem Erfolgsmodell, das in vielen Juniorenkreisen des Hanseraums übernommen wurde. Die Aktion verbindet lokales Engagement mit dem praktischen Nutzen direkter Hilfe, schafft Aufmerksamkeit für das Thema Lebensmittel- und Alltagsarmut und stärkt das Netzwerk zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Für die teilnehmenden Junioren selbst bietet die Aktion mehr als nur die Sammlung von Waren: Sie ist ein praxisnahes Erlebnis sozialer Verantwortung und gleichzeitig ein sichtbares Zeichen dafür, wie junge Führungskräfte ihre Region aktiv mitgestalten können. In Gesprächen mit Kundinnen und Kunden entstehen Gespräche über Bedürftigkeit im Alltag, über Chancen und Herausforderungen regionaler Gesellschaften und über die Rolle von Unternehmen und Jungunternehmern in sozialen Prozessen. Wenn also im kommenden Dezember wieder Einkaufswagen gefüllt werden, dann geht es um weit mehr als nur ein paar zusätzliche Produkte im Wagen. Es geht um ein buntes Miteinander, um Solidarität und um die Erfahrung, dass jeder und jede Einzelne etwas bewegen kann – oft schon mit einem einzigen Beitrag mehr.
Beitrag von Kristian Rudloff und Fabian Fink. Fotos: Wirtschaftsjunioren Dithmarschen


