Die Sicherung einer wohnortnahen medizinischen Versorgung gehört zu den großen Herausforderungen des ländlichen Raums. In Lunden wurde diese Herausforderung früh erkannt – und gemeinsam mit den umliegenden Gemeinden entschlossen angegangen.
Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich die Region intensiv mit der Frage, wie eine verlässliche hausärztliche Versorgung langfristig gewährleistet werden kann. Stand zunächst vor allem die schwierige Nachfolge in bestehenden Hausarztpraxen im Mittelpunkt, kommen inzwischen weitere strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen hinzu. Auch die aktuelle Krankenhausreform kann erhebliche Auswirkungen auf die medizinische Versorgung im ländlichen Raum haben.
Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der nachfolgenden Ärztegeneration. Viele junge Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner entscheiden sich heute bewusst gegen die eigene Niederlassung und bevorzugen eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis. Damit gewinnt die kommunale Mitverantwortung für eine funktionierende medizinische Infrastruktur zunehmend an Bedeutung.
Die Gemeinde Lunden hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt. Bereits Anfang der 2000er-Jahre zeichnete sich ab, dass es langfristig schwierig werden könnte, die damals vier bestehenden Hausarztpraxen am Ort zu erhalten. Mit Unterstützung des Gesundheitskoordinators des Kreises Dithmarschen und ehemaligen Leiters des Westküstenklinikums, Herrn Stender, begann die Gemeinde deshalb, neue Wege zu gehen. Der Aufbau einer kommunal getragenen medizinischen Versorgung war damals keineswegs selbstverständlich und erforderte Beharrlichkeit, Mut und einen langen Atem.
Ein entscheidender Schritt erfolgte im Jahr 2019 mit der Gründung der Ärztezentrum Lunden gGmbH. Zunächst wurden zwei Allgemeinmediziner eingestellt. Von Beginn an wurde das Projekt dabei nicht allein von der Gemeinde Lunden getragen: Sieben umliegende Gemeinden erklärten sich bereit, die medizinische Versorgung der Region gemeinsam mit Lunden sowohl ideell als auch finanziell zu unterstützen. Bis heute tragen acht Gemeinden gemeinsam zur Finanzierung des Ärztezentrums bei. Diese interkommunale Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Baustein für den Erfolg des Modells. Denn die dauerhaft entstehenden ungedeckten Betriebskosten wären für eine einzelne Gemeinde nur schwer zu tragen. Parallel dazu wurde in zentraler Lage in Lunden mit einem Investitionsvolumen von mehreren Millionen Euro ein modernes Gesundheitszentrum errichtet.

Auf zwei Etagen entstanden attraktive und gut erreichbare Räumlichkeiten für unterschiedliche Angebote aus den Bereichen Gesundheit und Pflege. Herzstück des Gesundheitszentrums ist die Ärztezentrum Lunden gGmbH. In der großzügig ausgestatteten Praxis arbeiten mittlerweile vier Allgemeinmediziner sowie drei Ärztinnen beziehungsweise Ärzte in Weiterbildung. Damit leistet das Ärztezentrum einen wesentlichen Beitrag zur hausärztlichen Versorgung der gesamten Region und darüber hinaus. Ergänzt wird das Angebot durch eine Apotheke, eine Zahnarztpraxis und eine Ergotherapiepraxis. Sämtliche Bereiche des Gesundheitszentrums sind barrierefrei erreichbar.
Das Gesundheitszentrum Lunden soll sich auch künftig weiterentwickeln. Derzeit stehen noch rund 100 Quadratmeter Fläche für weitere Anbieter aus den Bereichen Gesundheit, Therapie oder Pflege zur Verfügung. Gesucht werden Dienstleisterinnen und Dienstleister, die das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen und dazu beitragen möchten, die wohnortnahe Versorgung der Menschen in Lunden und den umliegenden Gemeinden weiter zu stärken. Interessierte können sich direkt an Bürgermeister V. Hamann oder an das Amt KLG Eider (Tel.: 04836/990-0) wenden.
Die Gemeinden und die Menschen der Region freuen sich über weitere Angebote, die das Gesundheitszentrum bereichern und das medizinische und pflegerische Versorgungsnetz vor Ort weiter stärken.
Beitrag und Fotos von Fred Johannsen