Was haben Kinder vor 100 Jahren in der Schule gelernt? Was gab es für Klassenregeln und was haben sie auf dem Schulhof gespielt? Spannende Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es im Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf im Rahmen der museumspädagogischen Programme für Grundschulklassen. Für ältere Schüler von der fünften Klasse bis zur Oberstufe umfasst das vielseitige und kreative Angebot interessante Themen wie etwa das Mittelalter, die Reformation, der Nationalsozialismus, die Schlacht bei Hemmingstedt und weitere.

„Forschen, stöbern und spielen“ lautet der Titel eines Programms für Erstklässler, bei dem sich die Schüler in der sogenannten „Wunderkammer“ des Museums auf die Suche nach historischen Gegenstücken zu modernen Gegenständen machen. „Dies löst meist einen wahren Schatzsuchereffekt aus“, berichtet Museumspädagogin Katja Thode. „Wie sah früher eine Taschenlampe aus? Wie ein Bügeleisen? Mit Feuereifer durchforsten die Kinder die Ausstellung mit ihren Augen, bis sie fündig geworden sind und beispielsweise eine alte Öllampe oder ein Mangelbrett aus Holz entdeckt haben.“ Dann werde erst einmal über die Funktionsweise des Gegenstandes gesprochen und sie wundere sich, wieviel Vorkenntnisse viele Schüler bereits mitbrächten. „Die Kinder lernen dabei spielerisch und ganz nebenbei Kompetenzen, wie richtig hinzugucken“, sagt die stellvertretende Museumsleiterin Verena Pohl. „Das daraus resultierende Erfolgserlebnis stärkt das Selbstwertgefühl.“ Das Museum sei im Gegensatz zu früher kein Ort, an dem Schüler still zu sein hätten und nur zuhören sollten. Interaktive Erlebnisse und Geschichten zum Anfassen würden den Effekt der Kulturvermittlung deutlich verbessern.
Apropos aktiv: Nach einer gemeinsamen Entdeckertour durch das gesamte Museum dürfen die Erstklässler noch verschiedene historische Spielzeuge und auch früher übliche Spiele wie Murmeln, Seilspringen oder Gummitwist ausprobieren.
Das Programm „Schiefertafel, Abakus und Kreidestaub – Schulunterricht wie früher erleben“ richtet sich an Schüler der dritten und vierten Klasse. Dabei erleben diese im historisch eingerichteten Klassenzimmer eine Unterrichtsstunde wie vor 100 Jahren. „Die Kinder können sich ein wenig verkleiden mit alten Kittelschürzen oder Matrosenkragen“, sagt Katja Thode. Sie lernen die damaligen Klassenregeln kennen – etwa, dass man sich bescheiden zu melden habe. Mithilfe eines Heftes werden kurze Unterrichtseinheiten in Rechnen mit dem Abakus, Lesen, Sütterlin schreiben und Singen durchgeführt. „Es geht darum, das Museum mit allen Sinnen erlebbar zu machen“, so Verena Pohl. „Das alte Gebäude riecht anders, der Fußboden knarrt und die Schüler können sich in die enge Schulbank mit dem integrierten Tintenfass quetschen. Das ist für die Kinder alles sehr spannend.“
„Unsere kleine Unterrichtsstunde beginnt und endet wie früher mit einer Schulglocke und einem Gebet“, erzählt Katja Thode. „Dann gibt es noch ein Klassenfoto und falls gewünscht, schließt sich eine Rallye durchs Museum an.“
Zur Info: Schüler zahlen nur 2 € Eintritt, Lehrkräfte und Begleitpersonen haben freien Eintritt. Das Programm selbst ist kostenlos. Interessierte melden sich gern unter Tel. 0481/975600.