Ein deutlicher Appell für ein friedliches Miteinander ziert seit Kurzem das Meldorfer Rathaus: In einer kleinen Feierstunde, organisiert vom Verein Region: Meldorf aktiv, wurde eine Demokratie-Stele des Zeitzeugen Udo Rickel aus Warwerort enthüllt.
Sich negativen Eigenschaften wie Gier, Neid, Eifersucht und Rassismus bewusst zu werden, um sie durch ein zugewandtes Miteinander zu ersetzen. Dies ist kurz und knapp die Botschaft des 89-Jährigen. Mit der etwa 1,80 Meter hohen Tafel will er zum Nachdenken über unsere Werte anregen. Mehr als 40 Stelen wurden laut Rickel mittlerweile in verschiedenen Bundesländern aufgestellt, rund 20 davon im Kreis Dithmarschen. Seit Kurzem ist eine Demokratie-Stele auch im Herzen der Domstadt direkt hinter dem Rathaus am Sparkassen-Parkplatz zu finden.
Zur feierlichen Einweihung im Rahmen der fairen Woche begrüßte der Vorsitzende Horst-Walter Roth auch Bürgervorsteher Christian Poltrock, Bürgermeisterin Uta Bielfeldt sowie einige Stadtvertreter und Bürger. „Durch die Verbindung zu Udo Rickel beschäftigen wir uns im Verein seit etwa einem Jahr intensiv mit der Demokratieförderung“, sagte Roth. „Wir haben dieses Herzensprojekt gerne aufgegriffen und werden uns künftig in vielfältiger Form verstärkt diesem Thema widmen.“ In politisch herausfordernden Zeiten sei es wichtig, gemeinsam ein Signal für ein besseres Miteinander und gegen den Zuwachs an Radikalität auszusenden.
Udo Rickel hatte seinerzeit als Hamburger Kriegskind den zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt. Grund genug für den Zeitzeugen, sich rund 80 Jahre später aufgrund der besorgniserregenden politischen Entwicklung für Frieden und Demokratie einzusetzen. „Ich bedanke mich bei meinem Verein und der Stadt Meldorf, dass meine Stele an so zentraler Stelle direkt am Rathaus einen Platz bekommt“, sagte Udo Rickel bei der Einweihungszeremonie. „Alle auf der Tafel genannten Eigenschaften haben wir Menschen weltweit in uns, all unser Denken und Handeln ist damit verbunden. Um etwas an der aktuellen Situation zu verändern, müssen wir uns einen kleinen Ruck geben.“
In der Domstadt gibt es außer dem neuen Standort am Rathaus noch eine weitere Stele im Klimapark. In Kürze wird in Absprache mit dem Bürgermeister eine Tafel am Ortseingang von Warwerort aufgestellt werden, so Rickel. Außerdem betreibt er intensive Aufklärungsarbeit an verschiedenen hiesigen Schulen und steht zudem in Verhandlung mit dem Hamburger Sportverein und dem 1. FC St. Pauli. „Ich strebe an, dass die Stele bundesweit an den Eingängen der großen Fußballstadien steht“, so Rickel. „Solange ich lebe, mache ich weiter.“
Beitrag und Foto von Andrea Hanssen
