Es grenzt schon fast an eine kleine Sensation: Nach mehr als 60 Jahren gibt es wieder Jungstörche in Ostrohe. Die Freude über den Nachwuchs ist deshalb besonders groß. Gleich zwei Jungstörche erblickten Anfang Mai das Licht der Welt und trotzten den teilweise widrigen Witterungsbedingungen.
Möglich wurde die Rückkehr der Störche durch den Bau eines neuen Nestes. Gemeindearbeiter Dirk-Marten Holler hatte im Frühjahr 2025 unter fachlicher Beratung des Weißstorch-Gebietsbetreuers Dithmarschen Nord, Rolf Zietz aus Pahlkrug, ein Storchennest errichtet. Dieses wurde schon kurze Zeit später von einem Storchenpaar bezogen. Gemeindearbeiter Thomas Hahn gab den Elternstörchen die Namen Tristan und Isolde Adebar von Ostrohe. Im ersten Jahr blieb der Bruterfolg allerdings noch aus.
In diesem Jahr klappte es nun mit dem Nachwuchs. Rolf Zietz beringte die beiden Jungstörche gemeinsam mit Ingo Schallhorn aus Hennstedt am Montag, 8. Juni, in den frühen Morgenstunden. Schon bald unternahmen die Jungvögel ihre ersten Flugversuche. Wenig später waren sie kaum noch auf ihrem Nest auf dem Bauhof zu sehen. Sie flogen auf die umliegenden Koppeln und begannen, selbstständig nach Nahrung zu suchen.
Für die beiden neuen Ostroher Einwohner hatte Thomas Hahn eine besondere Idee: Die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde im Alter von fünf bis 15 Jahren sollten Namen für die Jungstörche vorschlagen. Der Wettbewerb wurde im „Ostroher Dörpsblatt“ bekannt gemacht. Einen Monat lang konnten Vorschläge eingereicht werden. Sieben der insgesamt 82 möglichen Teilnehmer machten davon Gebrauch.

In einer kleinen Feierstunde wurden die Namen, kurz bevor die Jungstörche ihren ersten Flug gen Süden antraten, schließlich ausgelost. Dabei waren Rolf Zietz, Bürgermeister Harald Sierks, die jungen Wettbewerbsteilnehmer mit ihren Eltern sowie Ideengeber Thomas Hahn und Organisator Hans-Jürgen von Hemm. Als Glücksfee zog Rolf Zietz die beiden Namen aus der Losbox. Das Los fiel auf „Pips und Paps“, vorgeschlagen von Matti Bruhn.
Damit trägt der Jungstorch mit der Kennung DEW 9V 716 künftig den Namen Pips, während DEW 9V 717 Paps heißt. Welches Geschlecht die beiden Tiere haben, steht derzeit noch nicht fest.
Für ihre Teilnahme erhielten alle Kinder eine Urkunde mit einem Foto von der Beringung sowie Eisgutscheine, Fußbälle und weitere Preise. Bei der Feierstunde gab Rolf Zietz außerdem interessante Einblicke in das Leben der Weißstörche. Unter anderem erfuhren die Ostroher, dass die Ringkennung am rechten Bein oberhalb des Fersengelenks in Jahren mit gerader Jahreszahl angebracht wird.
Die Organisatoren bedankten sich bei allen Spendern, die den Namenswettbewerb und die Feierstunde unterstützt haben. Rolf Zietz engagiert sich seit vielen Jahrzehnten ehrenamtlich für die Weißstörche in seinem Zuständigkeitsgebiet.
Der Brutbestand in Schleswig-Holstein wird bereits seit 1907 statistisch erfasst. In diesem Jahr wurden landesweit 1.129 flügge Jungstörche gezählt – ein Rekordjahr. Zietz hält seit vielen Jahren fachliche Vorträge über den Weißstorch und steht für Anfragen zur Verfügung.
Beitrag von Hans-Jürgen von Hemm
