„Sturmflut-Drama in Dithmarschen“, „Deichbruch: Wasser! Wasser! Wasser!“, „Ein Koog wird geräumt“ – solche und ähnliche Schlagzeilen gab es vor genau 50 Jahren in den Lokalzeitungen. Damals verursachte der Capella-Orkan die bis dato schwerste Sturmflut mit den höchsten gemessenen Pegelständen an der deutschen Nordseeküste. Das Dithmarscher Landesmuseum blickt aktuell – in Kooperation mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) – mit einer Sonderausstellung auf das Extrem-Ereignis zurück.
Sturmflut 1976 in Dithmarschen: Der Capella-Orkan und seine Folgen
In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 1976 erreichte damals ein heftiges Sturmtief die Deutsche Bucht. Mit Macht und einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 180 Stundenkilometer peitschte der Orkan das Wasser der Nordsee an die Küsten. Zahlreiche Deichschäden und einige Brüche wie im Christianskoog gehörten zu den Folgen der Naturkatastrophe.
Die Ausstellung befasst sich mit dem Sturmflutereignis 1976, aber auch mit der Entwicklung des Küstenschutzes allgemein. Zeitzeugenberichte von sieben Dithmarschern veranschaulichen dabei eindrücklich, wie die Sturmflut seinerzeit von der Bevölkerung erlebt wurde. Zugleich richtet die Ausstellung den Blick auf die aktuellen Maßnahmen des LKN.SH, um auch zukünftig einen möglichst großen Schutz vor Sturmfluten in Schleswig-Holstein zu gewährleisten.
„Die klassische, zeitgeschichtliche Ausstellung beinhaltet, wie man gesellschaftlich im Moment des Ereignisses darauf reagiert hat und wie man mit den Folgen umgegangen ist“, sagt Museumsleiter Alexander Eggert. „Wir schauen also auf die Geschichtlichkeit der Naturkatastrophe und zeigen außerdem, welche Erkenntnisse beispielsweise in Bezug auf den Küstenschutz daraus gezogen wurden.“ Die Gesellschaft sei nicht für einmal klüger, sondern für immer weiser geworden. So habe man seinerzeit aus den Erfahrungen durch die Jahrhundertsturmflut 1962 gelernt. Obwohl es 1976 eine noch schneller auflaufende Flutwelle und auch höhere Wasserstände gegeben habe, seien die Folgen weniger schwer gewesen.

Sonderausstellung im Dithmarscher Landesmuseum: Zeitzeugen, Küstenschutz und Lehren für die Zukunft
„Extrem-Ereignisse wie eine Sturmflut beeinflussen auch die regionalen Verwaltungsstrukturen und die Politik, wie man etwa am Beispiel des Ahrtal-Hochwassers sieht“, sagt Dr. Christoph Otte, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Landesmuseum. „Es müssen Entscheidungen folgen, die über das Ereignis hinaus sozusagen hohe Wellen schlagen.“ In der Sonderausstellung werden diese und viele weitere Aspekte auf ganz unterschiedlichen Vermittlungsebenen veranschaulicht. So werden etwa auf Bildtexttafeln diverse Fotos und Zeitzeugen-Zitate präsentiert.


„Außerdem laden wir nach dem Format des Erzähl-Cafés gezielt die Bürger ein, uns von ihren persönlichen Erlebnissen rund um die Sturmflut 1976 zu berichten“, sagt Alexander Eggert. Zum Ausstellungsmaterial des LKN gehören Exponate wie eine Lahnung, eine Ramme und verschiedene Deichbaumodelle. Und außerdem eine Wanderausstellung unter dem Namen „wasserstark.sh“, die über Themen rund um Hochwasser, Sturmfluten und Starkregen informiert. „Im Museumskino läuft während des gesamten Ausstellungszeitraumes ein vom LKN produzierter Film mit Zeitzeugeninterviews und historischen Aufnahmen aus dem Filmarchiv“, sagt Dr. Christoph Otte. „Eine Vortragsreihe mit diversen Referenten sowie öffentliche Führungen runden die Ausstellung ab. Ein spezielles museumspädagogisches Programm ist noch in Planung.“
Die Sonderausstellung ist noch bis zum 12. April im sogenannten Wechselausstellungsraum des Museums sowie in den Vorfluren zu besuchen.
Mehr Informationen: https://www.landesmuseum-dithmarschen.de/


Beitrag und Fotos von Andrea Hanssen. Titelfoto: H. Kuhrt
